DH1DZ - Funkerberg Königs Wusterhausen

Sender- und Funktechnikmuseum Königs Wusterhausen

Am 10. Oktober 2026 habe ich das Sender- und Funktechnikmuseum auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen, der „Wiege des Rundfunks“ [1] besucht.
An dem Tag fand dort das 3. Hörertreffen des Senders „SM Radio Dessau“ statt. Max Berger, der Chef von SM Radio Dessau sollte den Teilnehmern des diesjährigen Sachsentreffens der Eisenbahn-Funkamateure in Dessau bekannt sein. Er stellte sich dort den EFA vor [2].

Wie komme ich ins Spiel?
SM-Radio Dessau [3], verbreitet deutschsprachige Sendungen zu unterschiedlichen Themen auf Kurzwelle. Ich bin seit Jahren SWL Hörer der Sendungen von SM Radio Dessau und schicke dorthin entsprechende Empfangsberichte. Es gibt sehr schöne Motive auf den QSL-Karten. Ich hatte nun das Glück, an diesem Hörertreffen teilnehmen zu dürfen.

Nun zu meinen Erlebnissen an diesem Tag.
Pünktlich um 14:00 Uhr wurden die von den Teilnehmern mitgebrachten Kurzwellenempfänger auf 6095 KHz eingestellt um die nun folgende 30-minütige Reportage von SM-Radio Dessau zu hören. Die Themen waren: „Umbau und Wiedereröffnung des Sender- und Funktechnikmuseums auf dem Funkerberg“, sowie „Berliner Empfangshörer“. Ausgestrahlt vom Sender Nossen (Media Broadcast) mit 100 KW.
In Ermangelung eines tragbarer KW-Empfängers hatte ich auf meinem Smartphon eine KIWI SDR APP installiert, aber gegen die alten analogen Stern Radios hatte ich keine Chance.
Nach der Sendung ging es mit einem kompetenten Museumsführer von welle370 [4] in das umgebaute, jetzt behindertengerechte Sendehaus 1.

Tauchen wir ein in die Geschichte des Funkerbergs.
1911 hatte die Militärfunkstation Königs Wusterhausen die ersten Versuche mittels Ballone zu telegraphischen Funkversuche und Reichweitenermittlung.
1916 Zentralfunkstelle des Heeres mit u.a. 70 KW Tonfunkensender, 32 KW Lichtbogensender auf 5 x 150 Meter Stahlgittermasten. Folgendes Bild zeigt einen Stationsempfänger E170, den Tonsummer K.S.39 und eine Sendetriode RS18 aus der Anfangszeit.

Ab 1919 “Hauptfunkstelle der Deutschen Reichspost“, Einführung „Wirtschaftsfunk“, telegrafischer Funkbetrieb im In- und Ausland, Telegrafie-Verbindungen für Wirtschaft und Presse sowie die ersten Telefonverbindungen.
Für die Röhrensender waren für die Heizspannung ca. 20V, die Gittervorspannung ca. 200V und die Anodenspannung bis 12000V notwendig. Für die Erzeugung dieser Spannungen wurden rotierende Umformer verwendet.

Folgendes Bild zeigt weitere Exponate der damaligen Zeit: Sender mit Marmorschalttafeln (Isolation). Zu sehen links und in der Mitte im Bild. Auch etwas fürs Auge, ein induktives Variometer rechts im Bild.

Das nächste Bild zeigt den Kurzwellen-Empfänger Type Spez. 801 Gr 2/36. Dieser Empfänger ist auf KW festgelegt. Der Nutzer hatte keine Möglichkeit, irgendwas zu ändern. Bei einem Röhrentausch musste ein Beamter erscheinen. Damals, obwohl streng verboten gab es schon „Schwarzhörer“.

Ab 1920 wurden Versuche mit Lorenz-Lichtbogensender durchgeführt. Telephonischer Rundfunk auf Welle 3700 bis zu einer Reichweite von 2000 Km. Mit Kohlekörner-Mikrofonen aus der Fernsprechtechnik wurde Schallplattenmusik aus dem Grammophontrichter sowie live gespielte Musik aufgenommen. Als Schallabsorption dienten Militärdecken. Königs Wusterhausen wird die Wiege des Rundfunks in Deutschland. Höhepunkt war die Übertragung des ersten Instrumentalkonzerts Deutschlands am 22.12.1920.

In Folge kam der Lorenz Sender 20/5 Kilowatt Kurzwellensender zum Einsatz. Dieser Sender wurde 1930 in geschlossener Bauweise gebaut und wurde von 1931 bis 1975 betrieben.

Der 250 KW Mittelwellensender in offener Bauweise wurde im Funkwerk Köpenick hergestellt. Der Sender war von 1959 bis 1993 in Betrieb.

Im ehemaligen Maschinensaal gibt es eine Vielzahl von Exponaten zu besichtigen.

Hier ist u.a. eine 100 KW Doppeltendstufe, Mittelwellensender der Firma Telefunken zu sehen. Diese war von 1937 bis 1948 in Betrieb.

Ein absolutes Highlight ist der Deutz VMA 266, ein 1000 PS 4 Takt Dieselmotor.

Dieser Dieselmotor wurde von Deutz, Köln im Jahre 1935 gebaut. Im Jahr 1948 in Berlin Tegel als Netzersatzanlage ausgebaut und 1950 hier auf dem Funkerberg eingebaut. Der Motor ist der letzte seiner Art. Mit Druckluft angelassen, absolut laufruhig bei 150 U/min. Bei 20 U/min auf der Plattform ein wohliges Bauchgefühl. Ich empfehle, unbedingt einen Besuch mit Vorführung zu buchen!

Zum Schluss noch paar Worte zur Außenanlage. Das Diorama zeigt einen Teil das Geländes mit den Antennen in den Jahren 1938/1939.

Die Antennenanlage bestand aus insgesamt 22 Masten. Dem Mittelturm (der Dicke), 7 Stück 210 Meter Masten, 5 Stück 150 Meter Masten, Abspann- und Kontertürmen. Ab 1924 wurde der Mittelturm mit einer Höhe von 235 Meter gebaut. Er war dreieckig und wog 700 Tonnen. Der Mittelturm viel 1972 einem Orkan zum Opfer.
Da sich der kommerzielle Funkverkehr und Rundfunkdienste auf Kurzwelle verlagerten, wurden in den Jahren 1968 bis 1981 die meisten alten Mastanlagen durch Sprengung demontiert. Nach 1990 erfolgte kein weiterer Ausbau. 1995 wurde der Sendebetrieb eingestellt.
Weithin sichtbar ist der Mast 17 mit 210 Meter Höhe und einem Gewicht von 100 Tonnen aus dem Jahre 1924 erhalten geblieben. Die Türme B und C sind derzeit für die Sanierung demontiert.

Es gab noch sehr viele interessante Objekte zu besichtigen. Darunter eine funktionierende, 1965 gebaute Großwähl-Nebenstellenanlage GWN 200/10, Video- und Fernsehtechnik, reihenweise Röhrenempfänger, Schaltschränke, usw. Ich glaube, ich sprenge hier schon den Rahmen.
Für Interessenten: Ein Programmpunkt des EFA-Deutschlandtreffens 2019 war der Besuch auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen. Der Beitrag dazu ist in der Zeitschrift EFA-DL News 02-2019 abgedruckt.

Fazit:
Das Hörertreffen ging mit einer Kaffee- und Kuchenrunde gegen 17:00 Uhr zu Ende. Ein rundum gelungener Tag. Vielen Dank an den Organisator Max Berger.

Links:
[1] Museum Funkerberg – Königs Wusterhausen
[2] EFA – Offenes Sachsentreffen 2026 – Rückblick
[3] SM Radio Dessau auf Kurzwelle
[4] welle370 +++ Das FunkerbergRadio

Viele 73 von Dieter Zilske, DH1DZ